Die Partnersuche im Internet ist mehr als nur ein virtuelles Spiel mit der Liebe. Über 6 Millionen Singles in Deutschland haben bereits einen Partner über das Internet gefunden und davon sind rund ein Drittel heute noch intakte Beziehungen (Quelle: sueddeutsche.de). Bei der Partnersuche und Partnerwahl im Internet stellen sich insbesondere zwei Fragen, die eine entscheidende Bedeutung für die Erfolgschancen von Singlebörsen darstellen: „Wer nimmt am Online-Dating teil?“ und „Nach welchen Kriterien wählen Frauen und Männer potenzielle Partner aus?“. Mit diesen beiden Fragen beschäftigt sich unter anderem auch eine (zur Zeit laufende) Studie des Lehrstuhls für Soziologie an der Universität Bamberg, die im April 2007 ins Leben gerufen worden ist und dessen Forschungsprojekt den Namen „Prozesse der Partnerwahl bei Online-Kontaktbörsen“. Erste Ergebnisse sind bereits bekannt und zeigen einige Tendenzen.
Wie es scheint, hängen diese beiden Fragenstellungen ganz eng miteinander zusammen. Bereits eine Studie von US-Forschern (Quelle: rp-online.de) hat gezeigt, dass bei der Partnerwahl die Frauen insbesondere nach Sicherheit und sozialem Status auswählen, während die Männer vorwiegend nach attraktiven und jungen Frauen suchen. Die Partnerwahl erfolgt damit scheinbar nach Evolutionskriterien wie vor Tausend Jahren. Der Begriff Sicherheit beinhaltet heutzutage die soziale Sicherheit, während in früheren Zeiten die körperliche Sicherheit durch den Mann für eine Frau wichtig war.
Zu ähnlichen Ergebnissen kommt die Vorstudie der Universität Bamberg (Quelle: Medien Monitor; sueddeutsche.de). Für Männer sind Frauen umso attraktiver je besser sie Aussehen und je jünger sie sind. Der Bildungsstand der potentiellen Partnerin ist weniger wichtig. Dagegen legen Frauen bei der Partnersuche deutlich mehr Wert auf Erziehung, Bildung, Beruf und Intelligenz (so zumindest im Internet). Dieses deckt sich zum größten Teil mit den Begriffen Sicherheit und sozialer Status.
Überdurchschnittlich aktiv in Singlebörsen sind Frauen mit Abitur und Männer mit Hauptschulabschluss. Dafür verantwortlich scheint die schwierigere Lage der jeweiligen Gruppe bei der Partnersuche. Frauen suchen insbesondere nach einem Partner mit einem hohen oder höheren Bildungsstand, während Männern der Bildungsstand weniger wichtig ist und sie stärker nach attraktiven Frauen Ausschau halten. Ein hoher Bildungsstand bei Frauen erzeugt also weit weniger Attraktivität bei Männern als das Aussehen und Alter einer Frau. Diese unterschiedlichen und teils entgegengesetzten Auswahlkriterien führen scheinbar zu dieser „Schieflage“ bzw. diesem Mismatch bei der Partnerfindung.
Die Auswahlkriterien dürften sowohl in der realen Welt als auch beim Online-Dating gleich sein. Es ist zu vermuten, dass die beiden Gruppen (Frauen mit Abitur und Männer mit Hauptschulabschluss) sich verstärkt in die Singlebörsen begeben, um ihr Glück auch dort zu versuchen. Die Singlebörsen sind also nicht nur ein Abbild der Gesellschaft im Internet, sondern zum Teil auch die Folge der Schieflage bei der Partnerfindung aus der realen Welt. Die Problematik bleibt jedoch auch beim Online-Dating bestehen. Hier kann die Partnersuche im Internet keine Heilung bringen. Aber letztendlich zeigen deutlich die große Anzahl der Beziehungen, die sich über das Internet gefunden haben, dass die Partnersuche über das Internet trotzdem enorme (andere) Vorteile und Chancen beinhaltet. Online-Dating hat somit in der heutigen Zeit und Gesellschaft seine eindeutige Daseinsberechtigung.